Hallo zusammen,

ich will hier einen möglichst kurze Skizze über die rechte Szene in Essen geben. Ich würde mich freuen wenn User aus anderen Städten das ähnlich machen würden.

Die Rechte Szene in Essen ordne ich einmal grob in parteigebunden und anderweitig gebunden ein.

Parteien

Was Parteien angeht, so ist natürlich leider die AFD der größte Nenner. Die AFD sitzt mit 14 Leuten im Rat der Stadt. Konkret sind das aktuell:

Peter Gerhard Sandow, Nicole Wilm, Guido Thorsten Reil, Andrea Schildan, Ottmar Wloch, Günter Franz Weiß, Gabriele Agnes Graf, Andreas Lojewski, Stefanie Becklinghaus, Dr. Hermann Postert, Hans-Dieter Hüschen, Julia Wortmann, Ulrike Marianne Wilmshöver, Ulrich Rudolf Nieroba.

Die AFD erzielte bei der Kommunalwahl in 2025 damit einen Erfolg und in fast allen Wahlbezirken landete die AFD bei 10%. Bei Stadtteilen im Essener Norden lag die AFD bei fast 30% und ist damit in manchen dieser Stadtteilen die stärkste Kraft.

Die AFD gibt sich im Rat der Stadt und auf anderen Bühnen einen “bürgerlichen” Anstrich und versucht eigentlich große negative Aufmerksamkeit in den Medien zu vermeiden. Abgesehen von Großveranstaltungen wie dem AFD-Landesparteitag, sucht die AFD in Essen selten die öffentliche Bühne. Das überlässt man anscheinend eher anderen Gruppen.

Parteien die man inhaltlich auch durchaus in das rechte Spektrum einordnen kann (oder muss) wären in Essen das EBB (Essener Bürgerbündnis) und die Schwurbler von die Basis. Das EBB vertritt eine Politik die wirtschaftlich neo-liberal und sozial radikal-konservativ ist. In den letzten Jahren versucht man sich (meistens erfolglos) im Kulturkampf gegen alles was man als “woke” einordnet wie z.B. Fahrradfahrer (Stoppt den Fahrradwahnsinn!) Die Basis ist Essen ist zwar nicht aufgelöst, spielt aber eigentlich keinerlei Rolle mehr. Die Partei hatte sich während Corona 2021 gegründet und positionierte sich als Partei für Schwurbler und Verschwörungstheoretiker.

Gruppen und Verbindungen

Komplexer wird es dann wenn man sich die Achse der nicht parteilich gebundenen Gruppen anguckt.

Hier haben wir eine Entwicklung die sich auch seit gut und gerne 20 Jahren entwickelt halt. Stadtteile wie Freisenbruch und zum Teil Steele, sind zum Rückzugsgebiet für Nazis aus NRW geworden. In Essen-Steele betreibt Christian “Bifi” Willing ein Umzungsunternehmen, direkt gegenüber der Kultureinrichtung GREND. Wenige Meter entfernt ist dann auch die "Sportsbar “300 die er auch betreib/besitzt”. Willing ist hier eine Zentrale Achse in der Rechten Szene und verbindet Nazis mit Hooligans, der organisierten Kriminalität aus dem “Rockermilieu” und in den letzten Jahren auch mit Kampfsport wie MMA usw.

In 2016 erfolgten dann auch die ersten so genannten “Spaziergänge” der Gruppe “Steeler Jungs” um Willing. Das waren nicht angemeldete Demonstrationen, bei der die Gruppe dann durch Steele gelaufen ist und die Allgemeinheit einschüchterte. Als Vorbild dienten damals wohl Aktionen wie z.B. “Hooligans gegen Salafismus” usw. Presse, Polizei und Bürgerschaft ignorierte das bewusst, bis es nicht mehr zu ignorieren war. Durch und um die Gruppe erfolgten Angriffe auf die nahe Kneipe “Freak Show” und das GREND. Mitunter mit Einsatz von Schusswaffen. Dazu zeigten sich dann auch sogar Verbindungen von Mitgliedern der lokalen Polizei zu dem Kreis von Willing. Die Steeler Jungs laufen seit einigen Jahren nicht mehr wirklich aktiv durch den Stadtteil, sind aber anderweitig präsent.

Ein weiterer großer Teil dieser Achse ist dann die “Ultras-Szene” von Rot-Weiss-Essen. Hier übernahmen seit ca. 2015 Schritt für Schritt rechtsextreme die Szene und verdrängten bewusst politisch anderweitig ausgerichtete Gruppen und Personen aus dem Block und zum Teil komplett aus dem Stadion. Diverse Ultra-Gruppen behaupten “unpolitisch” zu sein, das ist aber schlichtweg gelogen. Durchgesetzt hat sich unter Führung bzw. Anleitung von Mitgliedern der “Alten Garde” klar rechtsradikales und rechtsextremistisches Personal. Gruppen wie “Freaks Essen” und “Vandalz” kann und muss man als rechtsradikal ausgerichtete Gruppen ansehen. Wie bereits beschrieben auch mit besten Verbindungen zu anderen Rechtsradikalen und der erwähnten Achse organisierte Kriminalität und Kampfsport.

Hier zielt man insbesonders auf junge und oft noch minderjährige Menschen ab. Da schließt sich dann sozusagen auch der Kreis mit der Verbindung von der Partei “Die Heimat” und der Gruppe “Jung & Stark”. Ersteres ist eine Nachfolgepartei der NPD und als Partei selbst belanglos. Allerdings findet seit Jahren in der ehemaligen Parteizentrale in Essen-Kray "offene Abende "statt bei denen man oft ungebundene Personen verknüpft. Zum Beispiel mit der rechtsextremen Gruppe “Jung & Stark”. Die bindet rechtsextreme junge Menschen aus Essen, Wattenscheid, Bochum, Gelsenkirchen und bis hin nach Dortmund. Angesprochen werden junge Menschen hier nicht nur durch die bereits angesprochene Achse Fußball und Kampfsport, sondern auch zunehmend durch rechte Influencer auf Social Media. Die locken Jugendliche oft durch ersteinmal eher belanglose Themen an wie halt Sport, persönliche Fitness und Lifestyle umd dann in Content immer wieder ihre politische Haltung durchschimmern zu lassen.

Das mal als kurze grobe Übersicht.

  • KokusnussRitter@discuss.tchncs.de
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    2
    ·
    2 days ago

    Uiuiui, das hat meinen Horizont auf jeden Fall erweitert. Guter Beitrag. Wie trägt man diese Infos zusammen? Bust du viel auf SoMe aktiv und schaust was regional so bei dir abgeht, wird sowas tatsächluch in Lokalzeitungen abgebildet oder bist du gut in der linken Szene deiner Stadt vernetzt? Musst natürlich nur antworten wenn du willst. Privacy first.

    • bennees@feddit.orgOPM
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      2
      ·
      2 days ago

      Hier in Essen wohnen und nicht komplett mit Scheuklappen durch die Gegend laufen reicht vollkommen. Lokalpresse berichtet durchaus am Rande mal, aber dann auch nicht vernünftig. Gibt aber zumindest hier paar gute Gruppen die so Infos auch zusammen tragen und was machen.